Ein einzelner Blutdruckwert aus der Arztpraxis zeigt nur eine Momentaufnahme. Viele Menschen sind beim Termin angespannt, wodurch der Wert höher ausfallen kann als im Alltag. Fachleute sprechen dann von einer Weißkittelhypertonie. Messungen zu Hause zeigen dagegen, wie sich Ihr Blutdruck unter normalen Bedingungen verhält. Deshalb liegt die Grenze, ab der Fachleute von Bluthochdruck sprechen, zu Hause niedriger: bei 135/85 mmHg statt 140/90 mmHg in der Praxis. Verlässlich sind die Zahlen aber nur, wenn richtig gemessen wird.
Wer den Blutdruck selbst misst, kann die Werte über mehrere Tage verfolgen, statt sich auf eine einzelne Messung zu verlassen. Das Gerät zeigt dabei zwei Zahlen an:
Warum beide Zahlen zählen, erklären wir im Beitrag Blutdruck: Ist der obere oder der untere Wert wichtiger?

Die Werte von zu Hause ersetzen keine ärztliche Diagnose. Ob ein Bluthochdruck vorliegt, klärt Ihre Arztpraxis oft mit einer 24-Stunden-Messung. Dabei tragen Sie einen Tag und eine Nacht lang ein kleines Gerät, das regelmäßig misst. So zeigt sich auch, wie hoch Ihr Blutdruck im Schlaf ist. Die Selbstmessung ist eine gute Ergänzung dazu. Mit ihr behalten Sie Ihre Werte im Alltag im Blick und sehen, ob eine Behandlung wirkt.
Wer seinen Blutdruck manuell messen möchte, braucht Manschette, Pumpball und Stethoskop. So arbeiten viele Arztpraxen. Für zu Hause ist das schwierig, weil Sie gleichzeitig den Druck ablesen und auf Geräusche in der Armbeuge hören müssen. Das braucht einiges an Übung. Automatische Geräte nutzen deshalb die Oszillometrie. Sie werten feine Schwingungen der Gefäßwand aus und zeigen den Wert direkt an.
Für die Messung zu Hause sind Oberarmgeräte der Standard. Handgelenkgeräte sind kleiner und praktisch für unterwegs. Bei ihnen hängt der Messwert aber stark von der Haltung ab: Das Handgelenk muss während der Messung auf Herzhöhe bleiben. Befindet es sich tiefer, kann das Gerät zu hohe Werte anzeigen. Stützen Sie dafür den Ellenbogen auf dem Tisch ab, dann bleibt das Handgelenk auf Herzhöhe.
Jedes zugelassene Blutdruckmessgerät ist ein Medizinprodukt und trägt ein CE-Kennzeichen. Einige Hersteller lassen ihre Geräte zusätzlich von unabhängigen Stellen auf Messgenauigkeit prüfen. Ein entsprechendes Prüfsiegel finden Sie auf der Verpackung oder in der Produktbeschreibung.
Mindestens genauso wichtig ist die Manschettengröße. Auf jeder Manschette steht, für welchen Armumfang sie gedacht ist. Messen Sie Ihren Oberarm vor dem Kauf mit einem Maßband nach oder lassen Sie ihn in der Apotheke messen. Dort können Sie auch verschiedene Geräte vergleichen und sich zeigen lassen, wie sie bedient werden.
Ein Messgerät für zu Hause zahlen die meisten Menschen selbst. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel bei einem Bluthochdruck, der sich mit Medikamenten schwer einstellen lässt, oder bei starkem Bluthochdruck in der Schwangerschaft. Dann kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das Gerät verordnen. Sie zahlen nur einen gesetzlich festgelegten Eigenanteil dazu.
Damit Sie die Blutdruckmanschette richtig anlegen, machen Sie zuerst den Oberarm frei. Ein hochgeschobener Ärmel darf den Arm nicht einengen. Im Zweifel ziehen Sie das Kleidungsstück lieber aus. Legen Sie auch Uhr und Armbänder ab.
Der untere Rand der Manschette sitzt etwa 3 cm oberhalb der Ellenbeuge, das sind ungefähr zwei Querfinger. Der Luftschlauch liegt an der Innenseite des Arms und zeigt in Richtung Mittelfinger. Legen Sie anschließend den Unterarm entspannt auf den Tisch. So befindet sich die Manschette auf Herzhöhe.
Falls Sie unsicher sind, ob die Manschette richtig sitzt, können Sie sich das Anlegen in der Apotheke an Ihrem eigenen Gerät zeigen lassen.
Ob Sie den Blutdruck links oder rechts messen, prüfen Sie bei der ersten Messung: Messen Sie zunächst an beiden Armen. Danach messen Sie dauerhaft an dem Arm, der den höheren Wert zeigt.
Kleine Unterschiede zwischen den Armen sind normal, bis etwa 10 mmHg beim oberen Wert gelten als unbedenklich. Ist die Differenz zwischen beiden Armen größer, sprechen Sie das in Ihrer Arztpraxis an. Ein deutlicher Unterschied kann auf eine Erkrankung der Gefäße hindeuten.
Diese Anleitung zum Blutdruck messen gilt für Geräte mit Oberarmmanschette.

Der Blutdruck schwankt im Laufe des Tages. Dahinter steckt unter anderem der circadiane Rhythmus, also die innere Uhr, die viele Körperfunktionen im 24-Stunden-Takt steuert. Bei der Frage, wann Sie am besten Blutdruck messen, gilt deshalb: morgens und abends, möglichst immer zur gleichen Uhrzeit. Nur dann lassen sich die Werte miteinander vergleichen.
Besonders zu Beginn einer Behandlung oder nach einem Medikamentenwechsel messen Sie jeweils vor dem Essen und vor der Einnahme Ihrer Blutdrucktablette.
Für eine aussagekräftige Auswertung messen Sie sieben Tage hintereinander. Morgens und abends führen Sie jeweils zwei Messungen durch. Anschließend wird aus allen Werten der Mittelwert gebildet. Wie oft Sie eine solche Messwoche durchführen sollen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Beim Blutdruck messen mit App übernimmt weiterhin ein Gerät mit Manschette die eigentliche Messung. Viele Modelle übertragen die Werte per Bluetooth auf das Smartphone. Die App speichert die Ergebnisse und stellt den Verlauf übersichtlich dar. Das erleichtert das Gespräch in der Arztpraxis. Prüfen Sie vorher, wo die App Ihre Gesundheitsdaten speichert.
Smartwatches ohne Manschette messen den Blutdruck nicht direkt. Einige Modelle stellen Sie zuerst mit mehreren Messungen eines Oberarmgeräts ein. Danach erfasst ein Lichtsensor per Photoplethysmographie Schwankungen der Durchblutung, und die Uhr errechnet daraus Schätzwerte. Bei unabhängigen Tests wichen die Werte teils deutlich von einer Vergleichsmessung ab. Wer sich allein auf die Smartwatch verlässt, wiegt sich deshalb womöglich in falscher Sicherheit.
Verlässliche Werte brauchen einige Minuten Ruhe vor der Messung und eine Manschette auf Herzhöhe. Messen Sie zweimal hintereinander, morgens und abends. Beim ersten Mal messen Sie an beiden Armen und bleiben danach beim Arm mit dem höheren Wert. Liegt der Mittelwert Ihrer Messwoche bei 135/85 mmHg oder darüber, spricht das für einen erhöhten Blutdruck. Smartwatches ohne Manschette liefern dagegen nur Schätzwerte.
Bei der Auswahl eines Messgeräts und beim Anlegen der Manschette kann Ihnen das Team Ihrer Apotheke vor Ort helfen. Erreichen oder überschreiten Ihre Werte den Grenzwert oder besteht zwischen beiden Armen ein auffälliger Unterschied, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Altmeyers Enzyklopädie: https://www.altmeyers.org/de/gefaessmedizin/photoplethysmographie-9282 (abgerufen am 06. Oktober 2026)
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Spektrum Lexikon der Neurowissenschaft: https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/circadianer-rhythmus/2197 (abgerufen am 06. Oktober 2026)
Stiftung Warentest: https://www.test.de/Blutdruckmessung-Manschette-schlaegt-Smartwatch-Galaxy-Watch7-6232502-0/ (abgerufen am 06. Oktober 2026)