Streptokokken ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe verschiedener Bakterien. Die einzelnen Bakterien-Spezies in dieser Gruppe verursachen unterschiedliche Krankheiten bzw. infizieren unterschiedliche Stellen am Körper vor. Bekannte Beispiele von Streptokokken-Bakterien sind:
Die häufigste Erkrankung, die durch Streptokokken (konkret, durch Streptokokken der Gruppe A bzw. S. pyogenes) verursacht wird, ist eine Pharyngitis. Das ist der Fachbegriff für eine Infektion des Rachenbereichs. Auf diese konzentrieren wir uns in diesem Artikel.
Je nachdem, welcher Bereich infiziert wird, ergeben sich durch verschiedene Streptokokken aber auch viele andere Krankheitsbilder:
Streptokokken können genau wie viele andere Bakterien mit der “Tröpfcheninfektion” übertragen werden. Wenn also jemand niest, hustet oder dicht vor Ihnen spricht, werden die feinen Tröpfchen in die Luft abgegeben und können sich auf Ihre Schleimhäute setzen. Alternativ werden sie auch durch Schmierinfektionen (durch das Anfassen und anschließende Berühren der eigenen Schleimhäute) übertragen.
Eine mit Streptokokken infizierte Person kann mehrere Wochen lang ansteckend sein.
Kinder sind am häufigsten von Streptokokken-Infektionen betroffen.
Halsschmerzen, vor allem beim Schlucken, sind meistens das erste Zeichen einer Rachenentzündung durch Streptokokken. Dazu können folgende Symptome kommen:
Bei Erwachsenen sind nur ca. 5–15% der Rachenentzündungen durch eine Streptokokken-Infektion entstanden. Die große Mehrheit hat andere, oft virale Ursachen.
Wenn Sie eines der folgenden Symptome zusätzlich zu den Halsschmerzen und den oben genannten Symptomen haben, deutet das oft auf eine Infektion mit einem Virus statt mit Streptokokken hin:
Bei einem Schnelltest auf Streptokokken der Gruppe A wird ein Abstrich aus dem Rachen gemacht. Das ist nicht ganz einfach, vor allem, wenn der Test bei sich selbst durchgeführt wird. Der Abstrich muss von der hinteren Rachenwand inklusive Mandeln gemacht werden und die übrige Umgebung im Mund (Zunge, Wangen) sollte nicht berührt werden.
Das Vorgehen ist dann ähnlich wie bei den Covid-19-Tests, die in den letzten Jahren vielen Menschen bekannt geworden sind. Man kombiniert den Abstrich mit einer Testlösung und mischt sie gut durch. Die Lösung wird dann auf einen Teststreifen aufgetragen, auf dem sich Antikörper befinden. Färbt sich der Teststreifen nach 5–10 Minuten, ist das Ergebnis da: Ein zweiter Strich bedeutet einen positiven Test auf Streptokokken.

Selbsttests sind natürlich deutlich fehleranfälliger als ein Test beim Arzt/der Ärztin. Das größte Risiko ist, ein falsches Ergebnis zu erhalten und sich dann darauf zu verlassen.
Wenn der Test negativ ist, Sie aber tatsächlich mit Streptokokken infiziert sind, kann sich die Infektion durch die fehlende Antibiotikatherapie verschlimmern und zu, im schlimmsten Fall schweren, Komplikationen führen. Das ist vor allem dann ein Risiko, wenn die infizierte Person den Arztbesuch aufgrund des negativen Tests hinauszögert, weil es ja “nur eine Erkältung durch einen Virus” ist.
Ist der Test positiv, obwohl gar keine Streptokokken-Infektion vorliegt, könnten Patient:innen eigenständig Antibiotika einnehmen und sich damit selbst schaden.
Ohne ärztliche Einschätzung fehlt außerdem der klinische Kontext: Viele begleitende Symptome oder Gegebenheiten können wichtige Informationen zur Beurteilung liefern, die der Selbsttest nicht hergibt.
Der Test kann also als erste Orientierung nützlich sein, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose.
Eine Streptokokken-Infektion muss ärztlich behandelt werden. Wenn Sie einen Selbsttest durchgeführt haben und ein positives Ergebnis bekommen haben, wenden Sie sich also bitte umgehend an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. In Notfällen sind Notfallpraxen oder die Notaufnahme Ihre Anlaufstelle.
Der Arzt/die Ärztin wird in Ihrem individuellen Fall über die beste Behandlungsmöglichkeit:
Die Symptome einer Pharyngitis können auf eine ganze Reihe von Ursachen hindeuten, die keine Streptokokken sein müssen. Wenn die Ursache ein Virus ist, wie zum Beispiel bei einer normalen Erkältung, sind Antibiotika absolut wirkungslos. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird hier auch nicht “zur Sicherheit” Antibiotika verschreiben, da das die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika generell fördern kann. Wenn Sie dann tatsächlich einmal dringend Antibiotika gegen eine bakterielle Infektion brauchen, wirkt es vielleicht nicht mehr.
Bei einer im Test nachgewiesenen Streptokokken-Infektion sind Antibiotika aber die Standard-Behandlung. Mögliche Optionen sind zum Beispiel Penicillin oder Amoxicillin.
Sobald die infizierte Person die Antibiotika konsequent einnimmt, ist die Ansteckungsgefahr anderer nach einem bis zwei Tagen schon deutlich geringer.
Zur Behandlung von Halsschmerzen und Fieber kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt zusätzlich Schmerzmittel empfehlen bzw. verschreiben. Ibuprofen hat dabei den Vorteil, dass es zusätzlich entzündungshemmend wirkt und so die geschwollene Rachenschleimhaut beruhigen kann. Ibuprofen ist auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Zur örtlichen Linderung können Lutschtabletten, Rachensprays oder Gurgelösungen verordnet oder empfohlen werden, die betäubende, antiseptische oder entzündungshemmende Wirkstoffe enthalten. Sie bekämpfen zwar nicht die Ursache, können aber den Schluckschmerz reduzieren.
Der Arzt wird in aller Regel Ruhe und eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr empfehlen. Warme Tees, stille Suppen oder lauwarmes Wasser helfen, die Schleimhäute feucht zu halten und den Körper bei der Abwehr zu unterstützen.
In ausgeprägten Fällen mit sehr starker Schwellung der Tonsillen und erheblichen Schluckbeschwerden wird manchmal kurzfristig ein Kortikosteroid wie Dexamethason verschrieben. Das wirkt stark entzündungshemmend und kann das Schlucken erleichtern und dafür sorgen, dass die Schmerzen nicht so lange anhalten. Diese Maßnahme ist jedoch Einzelfällen vorbehalten und nicht Teil der Standardtherapie, da diese Behandlung für den Körper auch belastend ist und Nebenwirkungen haben kann.
Bei sehr häufig wiederkehrenden Streptokokken-Infektionen im Rachenraum bzw. der Mandeln wird bei manchen Patient:innen eine Entfernung der Mandeln empfohlen. Diese operative Maßnahme ist keine akute Therapie, aber eine langfristige Lösung, wenn die Infektionen immer wieder kommen und eine dauerhafte Belastung werden.